Das Foto oben zeigt den Verfasser vor dem Eingangstor mit der zynischen Parole "Arbeit macht frei" des ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz (Oświęcim, Polen) zur Eröffnung einer Sonderausstellung, die er zusammen mit seinem Team konzipiert hatte und am 21.09.2004 vor Ort mit einem Referat eröffnete. Das Bild ist einem ausführlichen Bericht darüber in der polnischen Zeitschrift "Przeglad" vom 14.11.2004, S. 60 entnommen.

Erinnerungskultur | Gedenken NS-Opfer in unserer Region


Stephan Wrobel

NS-Opfergruppen – eine Kurzübersicht

Vorläufiger Textstand 16.03.2021 (refresh mit , vgl. Info)

Wer ist Opfer des Nationalsozialismus?


Denkmal für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft in München (seit 1985) auf dem "Platz der Opfer des Nationalsozialismus" (Ecke Brienner Straße/Maximiliansplatz), Inschrift der Bronzetafel:

IM GEDENKEN AN DIE OPFER
DER NATIONALSOZIALISTISCHEN GEWALTHERRSCHAFT –

VERFOLGT AUS POLITISCHEN GRÜNDEN

VERFOLGT AUS RASSISTISCHEN GRÜNDEN

VERFOLGT AUS RELIGIÖSEN GRÜNDEN

VERFOLGT WEGEN IHRER SEXUELLEN IDENTITÄT

VERFOLGT WEGEN IHRER BEHINDERUNG.


Die Begriffe "NS-Opfergruppen" bzw. "Opfer des National­sozialismus" verwende ich hier für all jene Menschen, die zwischen 1933 und 1945 der demokratischen Grund­rechte beraubt durch die national­sozialistische Diktatur Hitlers, seiner Partei und durch die ihm ergebenen Untertanen auf Grundlage der NS-Ideologie und amtlicher Verordnungen und Staats­gesetze krimi­nalisiert, ent­rechtet, ver­folgt, ge­peinigt, er­mordet oder ausgebeutet wurden:
  • Sei es aus Hass auf die Juden,
  • sei es wegen der demo­kratischen, poli­tischen, reli­giösen oder gleich­geschlechtl­ichen Orien­tierung eines Menschen.
  • Sei es wegen der schlechten körper­lichen, gesund­heitlichen oder so­zialen Situation,
  • wegen der Abstammung und Herkunft oder aus anderen Gründen, die Menschen der NS-Diktatur als unliebsam erscheinen ließen und die man verschlagen und kaltblütig aus dem Weg zu räumen wusste.
  • Menschen, deren Arbeits­kraft unter Zwang und Ent­behrungen ausge­beutet wurde.

Die für Europa beispiel­losen national­sozia­listischen Staats­verbrechen an Mit­menschen, die "anders" dachten, glaubten, fühlten oder aussahen und dafür dis­kriminiert, ver­folgt oder er­mordet wurden, aus­geführt zwischen 1933 bis 1945 von "guten" Men­schen in Kultur­ländern wie Deutsch­land und Öster­reich, die damit Böses und Un­recht taten, sollten für uns heute als Nachgeborene und für künftige Generationen eine eindring­liche Mahnung sein: Vor ideolo­gischer Ver­blendung und Irre­führung sowie dem Ver­lust der Demo­kratie, wie wir sie heute in einer liberalen, freiheitlichen Form in Deutschland haben, wobei ein Grund­recht der Verfassung (Grundgesetz) lautet: "Die Würde des Menschen ist unantastbar."

Der Verlust der freiheitlichen Demokratie in Deutschland bis zu ihrer Wiederherstellung von außen 1945 entstand 1933 durch die legale Macht­übergabe an Kanzler Adolf Hitler, der Juden und die Demokratie programmatisch hasste und sie nur benutzte, um sie zu beseitigen. Auf der Grundlage von Hitlers ideologischer Ver­blendung und die seiner Anhänger wurden unzählige Menschen deutscher und anderer Nationaltät wegen ihrer Herkunft oder Orientierung der Würde beraubt, die allgemeinen Menschen­rechte mit Füßen getreten und un­vorstellbar viele Leben in Europa un­gerührt ausgelöscht.

flyerWas Geschichte lehrt. Für alle Epochen gilt sicherlich, was der be­deutende Philosoph Alfred Bandura wie folgt aus­drückte: "Das Problem sind die guten Menschen, die böses tun" (Foto). Ich verur­teile nicht Menschen, sondern böse Hand­lungen und menschen­verachtende Ideologien.

Jede heute und in der Zukunft lebende Person – ob vernünftig, mit­menschlich und ethisch hoch­wertig denkend oder nicht – wird auf der Hut bleiben müssen, damit sich die dunkle "Geschichte" durch sie nicht "wieder­holen" kann, nicht darf, da offen­bar niemand, kein "guter" Mensch und auch kein Volk vor ideo­logischen Irr­wegen der Intoleranz und des Hasses mit ihren häss­lichen, fatalen Folgen gefeit zu sein scheint.

Ziel und Absicht der Gedenkarbeit für alle NS-Opfer in der Erin­nerungskultur sollte sein, diesen einst ihrer Würde beraubten, verfolgten, ermordeten und als Personen vorsätzlich in Lagern und Haft­stätten "ausradierten" Mit­menschen unabhängig von ihren sozialen, politischen, religiösen oder ge­schlechtlichen Aus­richtungen wieder Namen und Gesicht und damit ihre Würde im Geiste des Grund­gesetzes zurück zu geben.

Erinnerungskultur am Beispiel München


flyer Begleittext der Handreichung zum Programm, "Wer ist Opfer des Nationalsozialismus? Fachkolloquium zur erinnerungskulturellen Problemen und Perspektiven", Montag, 19. Juni 2017, Landes­hauptstadt München, Direktorium, Stadtarchiv:

"Der Stadtrat der Landeshauptstadt München hat sich im Juli 2015 dafür ausgesprochen, an die Opfer des National­sozialismus in München mit einem zentralen Namens­denkmal und dezentral mit Gedenk­tafeln an Häusern oder Stelen im öffentlichen Raum zu erinnern. Doch wer ist Opfer des Nationalsozialismus?

Mit der Errichtung eines zentralen Namens­denkmals für alle Opfer des National­sozialismus in München rücken auch bisher marginalisierte Opfer­gruppen in den Fokus der öffentlichen Wahr­nehmung. Dazu gehören unter anderem ausländische Zwangs­arbeiter in der deutschen Kriegs­wirtschaft und Personen, die als Homo­sexuelle, 'Asoziale' oder 'Gewohnheits­verbrecher' stigmatisiert, verfolgt und getötet wurden. Sie blieben nach Kriegsende weiterhin diskriminiert, über Jahr­zehnte von Wiedergut­machungs­leistungen und Gedenken weitgehend oder gänzlich ausgeschlossen.

Ausgehend von einer Definition, der zufolge als Opfer des National­sozialismus alle Menschenn angesehen werden, die in München während des NS-Regimes verfolgt und getötet wurden, ist es Ziel dieses Kolloquiums, sich einem Opfer­begriff anzunähern, der nicht nur wissen­schaftlichen Standards entspricht, sondern auch aktuelle Debatten in der Erinnerungs­kultur berücksichtigt."


Erinnerungskultur vor Ort in Südostbayern


Freilassing. "Bei Kriegsende hatte die Gemeinde Freilassing 227 Gefallene und 126 Vermisste. Die Schicksale rassistisch, religiös oder politisch Verfolgter sind bisher noch nicht aus­reichend erforscht, ebenso wenig wie die von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern" (Text am Schluß der Informations­tafel "Zweiter Weltkrieg 1939 – 1945", Stadt­museum Freilassing, Stand 2020/2021).

Mein Ziel ist nicht, eine erschöpfende, lückenlose regionale Arbeit zur Ver­folgungs­thematik während der NS-Zeit vorzulegen, sondern vielmehr, soweit es meine Kraft und Zeit erlauben, für Südost­bayern im Radius um meinen Wohn­ort Freilassing und Salzburg (ich wohne an der deutsch-österreichischen Staats- und Stadt­grenze, wobei sich Salzburg recht vor­bildlich darstellt, was die Aufar­beitung und das Ge­denken betrifft), einige Fall­beispiele und Moment­aufnahmen des Sach­stands zur Erin­nerungs­kultur für die NS-Opfer­gruppen in unserer Region zu skizzieren.

Freuen würde es mich, wenn diese Website ein Anstoß dafür wäre, genau das oben Erwähnte in Südostbayern im Sinne des Grundgesetzes über die Menschen­würde zu realisieren, nämlich von staatlicher und amtlicher Seite sowie durch Eigen­initiativen von Schülern, Studenten und Bürgern (w/m) Raum für ein angemes­senes Ge­denken an die Opfer des National­sozialismus in Südost­bayern jeweils vor Ort durch digitale und analoge Veröffent­lichungen von Einzel- und Gruppen­schicksalen sowie in Form von Gedenk­tafeln, Erinnerungs­zeichen und ähnlichem zu schaffen, wie das an vielen Orten in Deutschland bereits der Fall ist.

Stephan Wrobel, Freilassing


Einige redaktionelle Beiträge der Rubrik "Erinnerungskultur" sind noch in Vorbereitung oder Bearbeitung, was in der Übersicht der linken Navigations­leiste farblich durch "weiß" (online) und "grau" (offline) hervor­gehoben ist. Alle Beiträge werden in Fortsetzungen geschrieben und jeweils aktualisiert.




☞ Zur Startseite mit dem Titel "Wer heute einen Schlussstrich ziehen will unter diesen Teil deutscher Geschichte, der verhöhnt nicht nur die Opfer" und dem Artikel "Keine Politik ohne Geschichte", veröffentlicht vom Auswärtigen Amt, dem das Zitat im Untertitel entnommen ist. Da ein Leittitel "(Meine) Grundlagen – Zitate" lautet, sind weitere Zitate inzwischen dazu gekommen. Ebenso ein Link zu den "Stolpersteinen" (Fotos) für ermordete jüdische NS-Opfer in der Stadt Laufen an der Salzach (der redaktionelle Teil ist noch in Arbeit).



Gedenktafel für Maria Huber aus Wals am Grenzfluß Saalach
(*1904, ermordet 1941 in Schloß Hartheim), Wals-Siezenheim, Österreich,
worauf in der Kurzeinführung Bezug genommen wird.

Die Erinnerung an die sogenannten
Euthanasie-Opfer der Nationalsozialisten und die NS-Krankenmorde in unserer Region in Südostbayern und Salzburg
soll hier durch ein eigenes Kapitel wach gehalten werden (in Arbeit).




Quellennachweise

Siehe Angaben im laufenden Text, numerierte Quellen sind beim Verfasser hinterlegt.

Quellenverweis für diese Seite (empfohlen)

Stephan Wrobel: NS-Opfergruppen – eine Kurzübersicht. Erinnerungskultur: Gedenken NS-Opfer in unserer Region, in: "Gegen das (unser) Vergessen ..." (persönlicher Blog), URL: http://www.stephan-wrobel.de/erinnerungskultur/welcome.htm (abgerufen am ).

Kurzlink: http://erinnerungskultur.stephan-wrobel.de





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