Notizblog | Freilassing | Hafnerkapelle und Kreuzweg


Stephan Wrobel

Die "vergessene" Kapelle am Kreuzweg

Version 4.03.2021 (in Fortsetzungen, online; aktualisieren, siehe Info, zB mit )


Der Kreuzweg

Folgt man der Vinzentiusstraße zum Nord­rand der Stadt Freilassing, kann man seinen Spaziergang auf dem sogenannten Kreuzweg fortsetzen, sich den Wind um die Nase wehen lassen, die Gegend betrachten oder einfach abschalten. (Der Feldweg bei ☞ Salzburg­hofen dient seit Jahrhunderten land­wirtschaftlichen Zwecken, heute auch "Seelen­weg" genannt.)

foto stephan wrobel freilassing Ab hier sieht man rundum auf weite Felder. Rechts oder östlich auf Salzburg­hofen mit seiner früh­mittel­alterlichen Pfarr­kirche des Herzogshofs bzw. Königs- und Kaiserhofs (Marien­kirche).

Oder man kann seinen Blick zurück auf das Wahr­zeichen Freilas­sings inmitten des Häuser­meers der Stadt richten – die ☞ Rupertus­kirche (74 m), das höchste Kirchen­gebäude unserer Region diesseits von ☞ Saalach und ☞ Salzach. (Auf der anderen Seite der Saalach liegt Österreich, wo der ☞ Dom in der ☞ Altstadt Salzburgs eindrucks­volle Türme mit 81 Metern Höhe zeigt.)

In der Ferne, im Süden und Osten, blickt man vom Kreuzweg aus über die Stadt hinweg auf die stille Berg­welt – mit Weitsicht vor allem zur weithin sichtbaren öster­reichischen Wall­fahrts­basilika ☞ Maria Plain und zum ☞ Gaisberg, dem Hausberg der Salzburger; sowie zum sagen­umwobenen ☞ Unters­berg (Foto), wo ☞ Kaiser Barbarossa wartend schlafen soll (vgl. Kyffhäuser-Mythos).

Und im Westen, mit etwas Glück am Abend, auf einen prächtigen Sonnen­untergang! Und natürlich auf den T(eisen)berg (Eisensteinzeche), der sich zwar von hier aus gesehen am westlichen Horizont unauffällig darstellt, doch sehr lange geschichtlich ziemlich bedeutsam war, wie wir sehen werden (☞ Annahütte).

Zum Alpen­panorama am Kreuzweg gehören weitere interes­sante Berg­namen mit Geschichte(n). Sei es zum Beispiel die weithin sichtbare barbusige "Schlafende Hexe" im Latten­gebirge mit der berühmten Predigt­stuhlbahn von ☞ Bad Reichenhal. (Die Bahn ist eine der ältesten erhaltenen Großkabinen­seilbahnen der Welt, die nach einer Insolvenz von der Unter­nehmens­gruppe eines Freilassinger Multi­millionärs erworben wurde, der hier unter anderem auch für sein soziales Engagement bekannt ist.1) Oder das prächtige, schön anzuschauende ☞ Staufen­massiv. Mit dem Blick zum Hochstaufen, nicht nur vom Kreuz­weg, sondern auch von meinem Bal­kon aus, kommt mir meist eine histo­rische Besonder­heit, eine Staats­grenze, in den Sinn.*

* Oben auf der Staufen­höhe verlief einst die Länder­grenze zwischen Bayern und dem ☞ Erzstift und "Kirchen­staat" Salzburg, zu dem fast tau­send Jahre Salzburg­hofen gehörte – bis 1810. Damals wurden Salz­burg und sein Gebiet des heutigen "Ruperti­winkel" vorüber­gehend dem neuen ☞ Königreich Bayern einverleibt. Unsere Tren­nung von Salzburg und die end­gültige Grenz­ziehung zwischen Österreich und Bayern entlang der Salzach und Saalach kam bald danach – 1816. Das Erz­stift Salz­burg verlor seine Unab­hängigkeit und unterstand jetzt dem öster­reichischen Kaiser in Wien.

Die gravierenden Verän­derungen auf der Land­karte in diesem Gebiet, für die Menschen mit mancherlei Leid verbunden, haben wir ☞ Napoleon und seinen Kriegen im Herzen Europas und in unserer Gegend zu "verdanken". Durch das Heer fran­zösischer Sol­daten wurde nicht nur ☞ Salzburg (Stadt und Land), sondern auch Frei­lassing (Salzburg­hofen, ☞ Pfarrhof) und viele Nachbar­orte in Mit­leiden­schaft gezogen, denn damals versorgten sich die marschierenden Soldaten selbst, meist durch Plün­derungen (vgl. ☞ Feldkirchen), abgesehen jetzt auch von Napoleons Plänen einer neuen Ordnung der Mächte. Unter "Epochen" (Napoleon und seine Kriege) werden wir untersuchen, ob Napoleon aus heutiger Sicht damals auch etwas Positives bewirkt hat, was bis heute unsere Sicht der Dinge prägt.

Kreuzweg, nördlicher Stadtrand Freilassing Also nicht Öster­reich, wie das seit 1816 der Fall ist, sondern Bayern war seinerzeit das politische Nachbar­land vom heutigen "Ruperti­winkel", zu dem Freilassing und beispiels­weise ☞ Laufen an der Salzach gehört, damals nach Salzburg die be­deutendste Stadt in der Region.

Vor der Errichtung der Hafner­kapelle im 19. Jahr­hundert befand sich genau an ihrer Stelle, und das, wie ich meine, nicht ohne be­merkens­werten histo­rischen Grund, worauf ich noch ein­gehe, ein großes Holz­kreuz oder Wetter­kreuz (Freilassing 2007, S. 27). Also am Beginn unseres Kreuz­weges. Wohin­gegen heute am Ende des Feld­weges (an einer nicht wenig be­fahrenen Ver­bindungs­straße) ein ein­faches großes Holz­kreuz steht (Foto). Der Name des Kreuz­weges hat auf jeden Fall seine Be­deutung!


Hafnerkapelle, Freilassing, um 1930

Die Kapelle

So wie sich der lange Kreuzweg als Feldweg noch heute am Stadt­rand präsentiert – nämlich frei und umgeben von Wiesen und Feldern, ge­nauso frei im Ge­lände stand einst vor weit über 150 Jahren die Hafner­kapelle. Was durch meine kürzlich er­worbene Ansichts­karte um 1930 eindrucks­voll dar­gestellt wird (Foto links, vgl. Huber 1990, Nr. 6). Man kann gut erkennen, wie die Kapelle auf einer leichten Anhöhe steht, und einige ältere Frei­lassinger können sich daran erin­nern, wie sie dort noch als Kinder im Winter Schlit­ten gefahren und auf den Baum geklettert sind.2 Gleich­zeitig liegt die Hafner­kapelle damals wie heute an einer Weg­kreuzung, worauf ich ebenfalls noch ein­gehen werde.

Die Sommer­frischler (Fremden­verkehr) hatten jedenfalls damals von der Hafner­kapelle aus noch einen unver­stellten Blick zur ☞ Peters­kirche, der zweiten Kirche Salzburg­hofens – der einst getrennten "Leut­kirch" im Dorf für die ein­fachen Leute (im Gegen­satz zur ☞ Marien­kirche in dem uralten Ort, der ja seiner­zeit ein Ver­sorgungs­hof mit Lebens­mitteln für deutsche Herzöge, Könige, Kaiser und schließlich für die Erz­bischöfe von Salzburg war).

Und wie die Ansichts­karte um 1930 zeigt, sieht man nicht nur ☞ Maria Plain, sondern vor allem zum ☞ Gaisberg, damals natürlich noch ohne den 100 Meter hohen Sendeturm mit Antennen (externer Link), dessen Sende­gebiet heute bis in den Groß­raum München reicht.

Eigentlich sollte ich beim Schlendern den kleinen Backstein­bau an der Vinzentius­straße 56 längst bemerkt haben, denn er steht direkt an der Ecke ☞ Matulus­straße, wo einst der Kreuz­weg begann. (Vgl. dazu den Lageplan unten.)

Eigentlich ... wenn sie sich nicht gerade hinter Laub, Sträuchern und Bäumen versteckt hält. Lange habe ich aus diesem Grund auf meinem Weg zum Kreuz­weg die Kapelle beim Vorüber­gehen nicht wirklich wahr­genommen. Eines Tages, Anfang März, bemerkte ich sie. Vielleicht waren die Sträucher im Korridor­zugang zur Kapelle von der Vinzentius­straße aus be­schnitten worden. Oder die Sicht war jetzt einfach freier, weil zu dieser Jahres­zeit noch kein Laub die Sicht auf sie verdeckt hatte.

Hafnerkapelle, Freilassing

Zum ersten Mal näherte ich mich der kleinen Kapelle. Erstaunt las ich über der Eingangs­tür: "Hafner­kapelle erbaut um 1857 von der Familie Hafner Salzburg­hofen." Damit hatte ich nicht gerechnet!

Seitdem interessiert mich die kleine alte beschau­liche Kapelle, die bei Abfas­sung dieses Berichts frei zugänglich auf dem Gelände des ☞ Kranken­hauses steht, nicht nur für Fromme oder für Bitt­gesuche von Kranken.

Man kann mit etwas Interesse an Orts­geschichte ganz Erstaun­liches über die Hafner­kapelle und das sie umgebende Areal heraus­finden, das früher nur aus Feldern bestand (und das bis zum soge­nannten Kirch­feld reichte, wie man auf alten Karten sehen kann).

Dort fanden Dinge statt, die sowohl über 200 Jahre als auch tausend Jahre zurück­liegen – Gänse­haut­feeling, wie ich finde, und womit sich dieser Artikel in weiteren Fort­setzungen (Aktuali­sierungen) im Laufe der Zeit be­schäftigen wird!

Ein eigentümlicher, besonderer Ort im Norden der Stadt Freilassing.


Hafnerkapelle, Freilassing

Der stille Raum. Ich öffnete die zweiflügelige Holz­tür und betrat den schlichten, stillen sakralen Raum mit Altar und einigen Holzbänken.

Im Innenraum, auf dem Weihwasser­becken, steht die Jahreszahl "1876" (Foto).


Fortsetzung folgt ...

Und noch eine Entdeckung sollte Bedeutung haben, die ich vorab schildern möchte:

An einem Sommer­abend stand ich unmittelbar vor dem grünen Natur­korridor zur Kapelle in der Vinzentius­straße. Plötzlich flogen blitz­schnell über meinem Kopf Fleder­mäuse durch den Korridor an der Kapelle vorbei in Richtung der vielen uralten Bäume, die noch zahl­reich auf dem Gelände bis zur ☞ "Heiling­brunner-Villa" stehen (übrigens ebenso wie unsere Kapelle unter Denkmalschutz; Quelle #101). Ein einzig­artiges Biotop, das seltenen Fleder­maus­arten und anderen Tieren Unter­schlupf bietet, für saubere Luft sorgt und den Grund­waser­spiegel reguliert, wie ich von Fach­leuten bei einer Orts­begehung erfuhr, dessen Schutz heute offenbar in Freilassing nicht selbst­verständlich ist.3 Dazu an anderer Stelle mehr unter ☞ "Matulus­straße, Bau­projekt 'Matulus­garten'" (vgl. Quelle #115).



Der redaktionelle Teil ist offline weiter in Bearbeitung, die Bilder­galerie mit kurzer Schnupper-Diashow online.


Auf der Landkarte

Karte (© BayernAtlas), 1 Jahr gültig, abrufbar bis Januar 2021. (Sorry, zur Zeit gibt es auf Endgeräten, wie Tablet PCs, Abbildungsprobleme. Ersatzweise Screenshot ansehen ...)



Quellennachweis

Siehe Angaben im laufenden Text, numerierte Quellen sind beim Verfasser hinterlegt.


Quellenverweis für diesen Artikel (empfohlen)

Stephan Wrobel: Die "vergessene" Kapelle am Kreuzweg. Hafnerkapelle und Kreuzweg, Freilassing. Publiziert in Fortset­zungen, in: "Was man schreibt, das bleibt!" (persönlicher Blog), URL: http://www.stephan-wrobel.de/notizblog/freilassing/schlendern-1/hafnerkapelle (abgerufen am ).






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