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Erinnerungskultur | Gedenkarbeit 1933–1945
(Meine) Grundlagen – Zitate


"Wer heute einen Schlussstrich ziehen will unter diesen Teil deutscher Geschichte, der verhöhnt nicht nur die Opfer"
(Heiko Maas, Außenminister, zusammen mit Prof. Dr. Andreas Wirsching, 2020)


(Die Rubrik ist gegenwärtig im Aufbau.)

Stand 29.10.2020 (refresh!)



Notiz vom 15.08.2020:
Beim "Natur­schlendern" an der Saalach war ich heute an der Hammerauer Brücke auf österreichischer Seite nach Wals abgebogen und finde dort an der Kirche (Foto links) eine Gedenk­tafel für ein "Euthanasie"-Opfer der National­sozialisten – das erste Mal in unserer Gegend (abge­sehen von Salz­burgs "Stolper­steinen" für NS-Opfer):


Maria Huber (geb. 1904) "ermordet im Mai 1941 in der NS-Tötungsanstalt Hartheim"

(Foto rechts, zum Vergrößern anklicken).


Ein unscheinbares, doch bei­spiel­haftes Stück Erinnerungs­kultur der Gemeinde Wals-Siezenheim, die sich der Realität mit Würde stellt.

Der Anlass ist ein Grund mehr für mich, hier die Eröffnung der Rubrik "Erinnerungs­kultur" vorzuziehen, auch wenn sie noch auf die redak­tionelle Komplet­tierung der lokalen NS-Opfer­gruppen warten muß.

Vorab eine Zusammen­fassung, angestoßen durch die ge­fundene Gedenk­tafel in Wals, auf ein national­sozialistisches Staats­verbrechen in nicht allzu ferner Vergangenheit:

In der Zeit des National­sozialismus in Deutsch­land, Österreich und den besetzten/annek­tierten Gebieten fielen bis 1945 weit über 200.000 Menschen, die als "unwertes Leben" betrachtet wurden (Menschen mit Behin­derungen, Kranke und arbeits­unfähige KZ-Häftlinge), den "Kranken­morden" in Heil- und Pflege­anstalten sowie Konzen­trations­lagern zum Opfer. Das oben erwähnte Schloss Hartheim bei Linz, wo Frau Huber aus Wals ermordet wurde, gehörte zusammen mit Bernburg* und Sonnenstein zu besonderen Tötungs­anstalten während der NS-Diktatur. Dort wurden auch Menschen aus Freilassing und Um­gebung ermordet. Allein für Salzburg wird die Zahl von über 500 "Euthanasie"-Opfern genannt und eine Anzahl Namen im Internet gelistet. Darüber später insgesamt mehr hier, zusammen mit Fall­beispielen, in der Rubrik "Erinnerungs­kultur | 'Euthanasie'-Opfer/Kranken­morde".

Bernburg, Gaskammer. Foto: stephan wrobel freilassing, 2008* Am 9. Oktober 2008 hielt ich in Bernburg, nach 12 Jahren Geschichts-, Gedenk- und Öffent­lichkeits­arbeit im In- und Ausland, mein letztes Referat, "'Wohin diese Transporte gingen, erfuhren wir nicht.' Eine Spuren­suche." In Bernburg befindet sich die "Gedenk­stätte für Opfer der NS-Euthanasie Bernburg in Sachsen-Anhalt".

Anläßlich meines Besuches in Bernburg besichtigte ich den authen­tischen Ort, die Räum­lichkeiten der ehemaligen NS-Tötungs­anstalt, ein­schließlich der Gas­kammer (Foto). Im November 2008 gab ich dann die damalige Gedenk- und Forschungs­arbeit in Verbindung mit einer NS-Opfergruppe und alle meine institutionellen Zu­gehörig­keiten freiwillig auf, zog von Selters/Taunus (Hessen) weg und begann auf der Schwäbischen Alb, ab 2011 in Ober­bayern, einen neuen, interes­santen und ausgefüllten Lebens­abschnitt, womit sich andere Teile der Website www.stephan-wrobel.de beschäftigen.



Hier folgt der Kontext zum obigen Zitat im Titel

... und weitere Zitate als Grundlagen für Gedenkarbeit




Quelle: https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/maas-wirsching-zweiter-weltkrieg/2339358

Keine Politik ohne Geschichte

07.05.2020 - Namensbeitrag

Gemeinsamer Beitrag von Außenminister Heiko Maas und Prof. Dr. Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München, zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs.


Kein Tag hat unsere jüngere Geschichte tiefer geprägt als der 8. Mai 1945. An diesem Tag schwiegen über den Gräbern von mehr als 40 Millionen Toten in Europa die Waffen. Die Schreckens­herrschaft der National­sozialisten und der Mord an den Juden Europas fanden ein Ende. Er wurde zum Tag der Befreiung für Millionen Ent­rechtete und Verfolgte, zum Tag des Gedenkens an die Opfer, zum Sieg über das Unrecht.

Die Deutschen zahlten mit diesem Tag den Preis dafür, dass sie den 30. Januar 1933 ermöglicht hatten und sich nicht selbst vom National­sozialismus befreien konnten. In den Trümmern deutscher Städte blickte die große Mehrzahl der Menschen voller Angst und Verzweiflung in die Zukunft. Es dauerte 40 Jahre bis Richard von Weizsäcker auch im deutschen Namen von „Befreiung“ sprechen und dabei zumindest eine Mehrheit der west­deutschen Gesellschaft hinter sich wissen konnte. Möglich machte dies erst die oft schmerzhafte, von Rück­schlägen geprägte Auf­arbeitung der Verbrechen des National­sozialismus nach dem Zweiten Weltkrieg.

Diese Erfahrung zeigt: Es lassen sich Lehren ziehen aus der Geschichte – zumal aus ihren Katastrophen. Dass von deutschem Boden nie wieder Krieg oder Mensch­heits­verbrechen ausgehen dürfen, ist heute unverrück­barer Kern deutscher Außen­politik. Unser Ein­treten für ein starkes und geeintes Europa, für die Menschen­rechte als univer­selle Ausprägung menschlicher Würde, für regel­gebundene, inter­nationale Kooperation, die Absage an deutsche Sonder­wege – all dies speist sich aus dem Wissen um die beispiel­losen Verbrechen Deutschlands im 20. Jahrhundert, die im Holocaust ihren monströsesten Ausdruck gefunden haben.

Wer heute einen Schluss­strich ziehen will unter diesen Teil deutscher Geschichte, der verhöhnt nicht nur die Opfer. Er beraubt deutsche Politik ihrer Glaub­würdigkeit. Denn: Selbst­kritik und Selbst­bewusstsein bedingen einander. Für kein Land gilt das mehr als für unseres.

Politik ohne Geschichte ist für uns undenkbar. [...]

(Hervorhebung hinzugefügt.)





Grundlagen für die Gedenk­stätten- und damit für die Gedenk­arbeit im allgemeinen

Quelle: Deutscher Bundestag, 16. Wahlperiode, Drucksache 16/9875, 19.06.2008, Seite 1 (Vorwort und erster Satz der Einleitung). Zugeleitet mit Schreiben des Beauftragten für Kultur und Medien vom 18. Juni 2008.

[...] Die Bundesregierung trägt mit der Fortschreibung des Gedenkstätten­konzeption aus dem Jahre 1999, die im Koalitionsvertrag vom November 2005 festgelegt wurde, der historischen Verpflichtung Deutschlands Rechnung: Ihr Ziel ist es, Verantwortung wahrzunehmen, die Aufarbeitung zu verstärken und das Gedenken zu vertiefen.

Das Verständnis der eigenen Geschichte trägt zur Identitätsbildung jeder Nation bei. Dazu gehören für uns Deutsche die Lehren, welche die Gründer­generation der Bundesrepublik Deutschland aus der verbrecherischen Herrschaft des Nationalsozialismus gezogen hat: Die unver­äußerliche Achtung der Menschen­würde, das Bewusstsein für die Bedeutung der Freiheit und die Werte­bindung des Grundgesetzes sind tragende Prinzipien unserer demokratischen Ordnung.

Zum historischen Erbe des wieder­vereinigten Deutschland zählt seit 1990 auch die kommunistische Diktatur in der ehemaligen SBZ/DDR. Der auf dem Grund­gesetz fußende antitotalitäre Konsens verbindet heute die demokratischen Parteien im Wissen um den menschenverachtenden Charakter dieser Diktatur.

Darauf beruht unsere gemeinsame Verantwortung, das Gedenken an das menschliche Leid der Opfer wach zu halten. Geschichte muss konsequent aufgearbeitet werden. Jeder Generation müssen die Lehren aus diese Kapiteln unserer Geschichte immer wieder neu vermittelt werden.

1. Einleitung. Es ist unverzichtbar, den Unterschied zwischen NS-Herrschaft und SED-Diktatur Rechnung zu tragen. [...]

(Hervorhebung hinzugefügt.)



Meinungsäußerung. Ansprache des Zeitzeugen Ernst Grube in Surberg (2014), Verfolgter unter dem NS-Regime

Quelle: Ansprachen von Zeitzeugen: Ernst Grube (2014), in: Friedbert Mühldorfer (Hg.): Gedenkfeiern gegen das Vergessen – Der KZ-Friedhof in Surberg. [Ohne Druck- oder Verlagsort (Waging am See)] 2015, Seite 145.

[...] Der ehemalige verfolgte jüdische Sozialdemokrat und Staatsanwalt Fritz Bauer, der vor 50 Jahren den Auschwitz-Prozess in Gang brachte, hatte nicht die Justiz hinter sich. Er konnte sich nur auf einen kleinen Kreis vertrauter integrer Juristen und anderer Helfer, wie zum Beispiel den ehemaligen Auschwitz-Gefangenen Hermann Langbein, stützen.

Eine Auseinandersetzung mit den Wurzeln des Faschismus, seiner Förderer und Nutznießer und eine Aufklärung über die Verbrechen des NS-Regimes wurde auch durch die personelle Verstrickung und Bestimmungs­macht ehemaliger Nazi­bediensteter verhindert. Jahrzehnte lang war das so. Die Unfähigkeit zur Konfrontation mit der Wahrheit und Wirklichkeit war Mainstream in unserer Gesellschaft. Bundes­deutsches Selbst­bewusstsein nährte sich an einem sogenannten Wirtschaftswunder.

Nicht wahrhaben wollend, was der Ausgangspunkt der bundesdeutschen Nachkriegswirtschaft war: Kriegs­profite, Raub, Ausnutzung von Häftlings- und anderer millionen­facher Zwangs­arbeit, sowie vorenthaltener Reparationen und verweigerte Entschädigungen an Menschen und Staaten.

Ein Vertreter dieser Mentalität war Franz Josef Strauß, zuletzt bayerischer Ministerpräsident.

Er sagte 1969: "Ein Volk, das diese wirtschaftlichen Leistungen vollbracht hat, hat ein Recht darauf, von Auschwitz nichts mehr hören zu wollen." Zitat in der Frankfurter Rundschau vom 13. September 1969. [Falsches Strauss-Zitat, siehe Einschub von mir (Anm.).*]

* Einschub (Richtigstellung/Zitat): Angebliches Strauß-Zitat von 1969 wurde zehn Jahre später zurückgezogen

Quelle: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/falsches-strauss-zitat-kaum-aus-der-welt-zu-schaffen-1.4555221

6. August 2019, 18:44 Uhr Falsches Strauß-Zitat

Kaum aus der Welt zu schaffen

"Stationen der Verdrängung" vom 13./14. Juli:

Christiane Mudra stützt sich auf ein angebliches Franz-Josef-Strauß-Zitat: "Ein Volk, das diese wirtschaftlichen Leistungen erbracht hat, hat ein Recht darauf, von Auschwitz nichts mehr hören zu wollen." Es stammt aus einem Leitartikel der "Frankfurter Rundschau" von 1969. Diese hat das Zitat 1979 zurückgezogen, weil "die Quelle mehr als zweifelhaft war" (Dr. Wilhelm Knittel, der frühere Büroleiter von Franz Josef Strauß, belegt dies mit einem Schreiben des Chefs vom Dienst der Frankfurter Rundschau vom 27. Juli 1979; d. Red.). Auf Intervention der CSU-Landesleitung hat sich "Die Zeit" in ihrer Ausgabe vom 13. Juli 1979 von dem Zitat distanziert. Der "Spiegel" hat in der Ausgabe vom 22. März 1982 einen entsprechenden Leserbrief des Pressesprechers der Bayerischen Staatskanzlei veröffentlicht.

Das erneute Zitat beweist, wie negative Falschmeldungen über Franz Josef Strauß kaum mehr aus der Welt zu schaffen sind.

Dr. Wilhelm Knittel, Grünwald



Gedenken und Erinnern wurde nur von wenigen gesellschaftlichen Initiativen, oft ohne kommunale und staatliche Unterstützung, meist gegen die Stimmung in der lokalen Bevölkerung durchgeführt.

Es dauerte 50 Jahre, bis 1995 ein bayerischer Ministerpräsident anlässlich der Befreiungs­feierlichkeiten die Gedenkstätte Dachau besuchte.

Zurück zu meiner persönlichen Geschichte [...]




"Stolpersteine", Laufen/Salzach (Fotoalbum)

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